21
Der Cardoni-Fall sorgte in Cedar City für Parkplatzprobleme wie in einer Großstadt, und Amanda kurvte auf der Suche nach einer Lücke fünfzehn Minuten lang durch die Straßen. Im Gerichtsgebäude ging sie an der Schlange der Leute vorbei, die auf einen Platz in Richter Brodys Saal warteten, und zeigte dem Wachmann ihre Zulassung. Frank und Cardoni saßen ins Gespräch vertieft am Verteidigertisch und warteten auf das Erscheinen des Richters. Der Chirurg trug einen anthrazitfarbenen Geschäftsanzug, ein weißes Seidenhemd und eine blaue Krawatte mit schmalen gelben Streifen. Amanda konnte verstehen, warum eine kultivierte Intellektuelle wie Justine Castle sich in Cardoni verlieben konnte. Er hatte ein männlich markantes Gesicht und breite Schultern. Außerdem wirkte er gefährlich, wenn er so leicht vorgebeugt dasaß, die Muskeln angespannt wie ein gejagtes Tier.
»Du hast es geschafft?«, sagte Frank mit einem Lächeln.
»Mit Müh und Not. In der ganzen Stadt gibt's keinen Parkplatz mehr. Erst drüben bei Stokely's hatte ich Glück.«
»Vince, du kennst doch meine Tochter Amanda? Sie hat mir bei der Recherche für diesen Antrag geholfen, und ich will sie dabeihaben für den Fall, dass es irgendwelche juristischen Spitzfindigkeiten zu lösen gibt.«
Cardoni würdigte Amanda kaum eines Blicks. Sie zwang sich zu einem Lächeln und nahm Platz. Sie war froh, dass ihr Vater zwischen ihr und ihrem gemeinsamen Mandanten saß. Amanda hatte kaum ihre Unterlagen aus dem Aktenkoffer gezogen, als hinter dem Podium eine Tür aufging und der Richter den Saal betrat. Der Gerichtsdiener schwang sein Hämmerchen, und alle erhoben sich und blieben stehen, bis der Richter sie zum Hinsetzen aufforderte.
»Meine Herren, sind Sie bereit?«, fragte Brody.
Scofield am Tisch der Anklage nickte.
»Bereit für Dr. Cardoni, Euer Ehren«, sagte Frank Jaffe.
»Ein Eröffnungsplädoyer, Mr. Jaffe?«
»Ein kurzes, Euer Ehren. Wir beantragen die Nichtzulassung sämtlicher Beweise, die in einer Berghütte in Milton County und in Dr. Cardonis Wohnhaus in Multnomah County sichergestellt wurden. Die Behörden haben das Haus in Milton County ohne richterliche Anordnung durchsucht, ihnen obliegt es also, das Gericht davon zu überzeugen, dass eine Ausnahme zu den bundesstaatlichen und nationalen Vorschriften bestand, nach denen ein Ermittlungsbeamter sich eine richterliche Anordnung verschaffen muss, bevor er das Haus eines Bürgers durchsucht.«
Jaffe holte Atem.
»Die Durchsuchung von Dr. Cardonis Wohnhaus in Portland erfolgte zwar gemäß einer richterlichen Anordnung, diese Anordnung wurde jedoch erlassen auf Grund von Informationen, die auf eine eidliche Erklärung zurückgehen. Wir behaupten nun, dass die in dieser Erklärung genannten Beweismittel während einer illegalen, weil richterlich nicht angeordneten Durchsuchung des Hauses in Milton County beschafft wurden. Wenn das Gericht zustimmt, beantragen wir die Nichtzulassung der in Portland gesammelten Indizien auf Grund der Doktrin der Unverwertbarkeit gesetzwidrig erlangter Beweise, wie ich sie in meinem zur Unterstützung dieses Antrags eingereichten Rechtsgutachten dargelegt habe.«
»Nun gut. Mr. Scofield, was ist Ihr Standpunkt?“
»Euer Ehren, Detective Robert Vasquez, ein Beamter der Polizei von Portland, erhielt einen anonymen Tipp, dem zufolge der Angeklagte in seinem Anwesen hier in Milton County zwei Kilo Kokain verwahre. Er wird Ihnen sagen, dass er sich diesen Tipp anderweitig bestätigen ließ, dann aber schnell handeln musste, weil er erfuhr, dass der Verkauf des Kokains unmittelbar bevorstand. Er fuhr also hierher und durchsuchte das Haus ohne richterliche Anordnung, weil seines Wissens nach Gefahr im Verzug war. Wie sich zeigte, hatte er den Verkauf dennoch verpasst.«
Der Bezirksstaatsanwalt schaute zu Cardoni.
»Wie das Gericht weiß, braucht sich ein Polizeibeamter keinen Durchsuchungsbefehl zu beschaffen, wenn die Beschaffung dieses Befehls aus zeitlichen Gründen zum Verlust oder zur Zerstörung ebenjenes Beweismaterials führt, das er sicherstellen will. Und wenn die Durchsuchung hier in Milton County rechtmäßig war, spricht natürlich auch nichts dagegen, die in diesem Anwesen sichergestellten Indizien als Grundlage für den Durchsuchungsbefehl für das Wohnhaus des Angeklagten in Portland zu benutzen.«
»Wer ist Ihr erster Zeuge, Mr. Scofield?«, fragte Richter Brody.
»Der Staat ruft Sherri Watson in den Zeugenstand.«
Watson war die Telefonistin im Sitten- und Drogendezernat, die den anonymen Anrufer zu Vasquez durchgestellt hatte. Nachdem sie ausgesagt hatte, dass dieser Anruf tatsächlich im Revier eingegangen war, rief Scofield Bobby Vasquez in den Zeugenstand.
Der Detective trug ein marineblaues Sportsakko und eine braune Hose. Amanda hatte den Eindruck, dass er beim Ablegen des Eids nervös wirkte. Er trank einen Schluck Wasser, während er auf die erste Frage des Bezirksstaatsanwalts wartete.
»Bitte erläutern Sie dem Gericht die Umstände, die Sie dazu brachten, die Berghütte in Milton County ohne richterliche Anordnung zu durchsuchen«, sagte Scofield, nachdem Vasquez seinen Rang und seine Funktion bei der Polizei genannt hatte.
»Ich saß an meinem Tisch im Sitten- und Drogendezernat und schrieb eben einen Bericht, als die Telefonistin einen Anrufer zu mir durchstellte, der ein Verbrechen melden wollte. Ich war der einzige Verfügbare, es war also Zufall, dass ich den Anruf entgegennahm.«
»Was hat der Anrufer gesagt?«
»Der Informant sagte, dass Dr. Cardoni vorhabe, zwei Kilo Kokain zu verkaufen.«
»Sagte der Anrufer auch, wo der Angeklagte das Kokain aufbewahrte?«
»Ja, Sir. In einer Berghütte in Milton County.«
»Haben Sie sich einen Durchsuchungsbefehl für die Hütte verschafft?«
»Nein, Sir. Der Anrufer oder die Anruferin nannte seinen beziehungsweise ihren Namen nicht. Der Tipp war anonym. Ich wusste, dass ich eine anderweitige Bestätigung brauchte, bevor ich zu einem Richter gehen konnte.«
»Haben Sie versucht, diese anderweitige Bestätigung zu bekommen?«, fragte Scofield.
»Ja, Sir. Ich stellte einen amtsbekannten Drogendealer zur Rede, der die Person kannte, die Dr. Cardoni das Kokain verkauft hatte, und er bestätigte, dass Cardoni die zwei Kilo verkaufen wolle.«
»Wusste Ihr Informant, wer die zwei Kilo von dem Angeklagten kaufen wollte?«
»Nein. Nur, dass Dr. Cardoni verkaufen wolle und sich die zwei Kilo in der Hütte des Arztes befänden.«
»Dann bestätigte er also die Behauptung des anonymen Anrufers, dass die Drogen sich in Milton County befänden?«
»Ja, Sir.«
»Da Sie nun also Ihre Bestätigung hatten, warum besorgten Sie sich keinen Durchsuchungsbefehl?«
»Dazu war keine Zeit. Ich sprach mit meinem Informanten am Nachmittag. Er sagte, dass der Verkauf noch an diesem Tag über die Bühne gehen solle. Die Fahrt von Portland zur Berghütte des Angeklagten dauert ungefähr eineinhalb Stunden. Ich befürchtete, die Übergabe zu verpassen, wenn ich wartete, bis ein Richter einen Durchsuchungsbefehl ausgestellt hatte.«
»Erzählen Sie dem Richter, was geschah, als Sie die Berghütte erreichten!«
»Ich verschaffte mir Zugang zum Haus. Drinnen fiel mir dann ein Vorhängeschloss an einer der Türen im Untergeschoss auf. Dies weckte meinen Argwohn und ich schloss daraus, dass der Angeklagte diese Tür wahrscheinlich versperrt hatte, um seine gesetzwidrige Ware zu schützen.«
»Wie öffneten Sie das Schloss?«
»Mit einem Dietrich, den ich bei mir hatte.«
»Fanden Sie in diesem Raum im Untergeschoss Kokain?«
»Ja, Sir«, antwortete Vasquez verbissen.
»Was fanden Sie sonst noch?«
»Die abgetrennten Köpfe von zwei weißen Frauen.«
Es entstand Unruhe im Saal, und Richter Brody schwang sein Hämmerchen. Während die Ordnung wieder einkehrte, trank Vasquez einen Schluck Wasser.
»Können Sie diese Dinge identifizieren, Detective Vasquez?«, fragte Scofield.
Vasquez nahm vom Bezirksstaatsanwalt drei Fotos entgegen und identifizierte sie als Aufnahmen des Kühlschranks und seines Inhalts. Dann gab Scofield die Fotos dem Richter und beantragte, sie für die Zwecke dieser Anhörung als Beweismaterial aufzunehmen. Brody wurde blass, als er die Fotos sah. Er warf nur einen kurzen Blick darauf und legte sie dann mit der Abbildung nach unten auf den Tisch.
»Nachdem Sie die abgetrennten Köpfe gefunden hatten, riefen Sie da im Sheriffs Department von Milton County an?«
»Ja, Sir.“
»Was passierte dann?«
»Vertreter dieses Departments sowie der Oregon State Police und des Portland Police Bureau kamen zum Fundort und führten eine gründliche Untersuchung durch.«
»Wurden in der Hütte diverse materielle Beweise, darunter auch zahlreiche wissenschaftliche Indizien, sichergestellt?«
»Ja, Sir.«
»Euer Ehren, ich übergebe Ihnen nun Beweisstück Nummer eins des Staates. Es ist eine Liste aller in der Hütte sichergestellten Gegenstände. Damit Detective Vasquez die Zeit des Gerichts nicht über Gebühr beanspruchen muss, haben Mr. Jaffe und ich vereinbart, einverständlich festzustellen, dass dies die Beweise sind, deren Nichtzulassung der Angeklagte beantragt.«
»Können Sie das bestätigen, Mr. Jaffe?«
»Ja, Euer Ehren.«
»Sehr gut. Die Vereinbarung wird akzeptiert, und die Liste wird als Beweismittel aufgenommen. Fahren Sie fort, Mr. Scofield!«
Der Bezirksstaatsanwalt ließ Vasquez die Durchsuchung des Hauses in Portland rekapitulieren und schloss dann seine Befragung ab.
»Ihr Zeuge, Mr. Jaffe.«
Frank lehnte sich in seinem Stuhl zurück und betrachtete den Polizisten. Vasquez saß stumm da und wirkte sehr professionell.
»Detective Vasquez, wie viele Beamte begleiteten Sie zu der Berghütte, als Sie die Durchsuchung vornahmen?«
»Keiner.«
Frank machte ein verdutztes Gesicht. »Sie erwarteten doch, dort mindestens zwei Männer bei einem Kokaingeschäft anzutreffen, oder etwa nicht?«
»Doch, Sir.«
»Und Sie nahmen an, dass sie gefährlich sein würden?«
»Ich wusste es nicht.«
»Stimmt es denn nicht, dass Drogendealer oft Waffen tragen?“
»Doch.«
»Und sind sie nicht häufig gewalttätig?«
»Das kann vorkommen.«
»Und Sie gingen ohne Begleitschutz dorthin, obwohl Sie erwarten mussten, auf wahrscheinlich bewaffnete Dealer zu treffen?«
»Das war dumm. Rückblickend betrachtet, muss ich sagen, dass ich wohl Begleitschutz hätte mitbringen oder Sheriff Mills um Hilfe bitten sollen.«
»Sie geben also Dummheit als Grund für Ihr Versäumnis, Begleitschutz mitzubringen, an?«
Vasquez nickte. »Ich hätte es besser wissen müssen.«
»Hätte es nicht noch einen anderen Grund geben können, warum Sie allein zu der Berghütte fuhren?«
Vasquez überlegte einen Augenblick. »Ich fürchte, ich verstehe die Frage nicht.«
»Nun, Detective, wenn andere Beamte dabei gewesen wären, wären sie Zeugen Ihres illegalen Eindringens geworden und hätten gegen Sie aussagen können, nicht?«
»Einspruch!«, sagte Scofield. »Das Gericht hat zu entscheiden, ob das Eindringen illegal war.«
»Stattgegeben«, entgegnete Richter Brody.
»Detective Vasquez, haben Sie den Fingerabdruckbericht der Oregon State Police gelesen?«
»Ja, Sir.«
»Wurden am Tatort auch Ihre Fingerabdrücke gefunden?«
»Nein, Sir.«
»Warum nicht?«
»Weil ich Latexhandschuhe trug.«
»Warum?«
Vasquez zögerte. Auf diese Frage war er nicht vorbereitet. »Ich, ahm ... Es war ein potenzieller Schauplatz eines Verbrechens. Ich wollte die Männer der Spurensicherung nicht verwirren.“
»Was für eine Verwirrung hätte es denn geben können? Ihre Abdrücke sind registriert und hätten sehr leicht eliminiert werden können.«
»Ich wollte dem Labor nicht zusätzlich Arbeit verursachen.«
»Oder keine belastenden Spuren eines illegalen Eindringens hinterlassen?«
»Einspruch!«, sagte Scofield.
»Stattgegeben«, sagte Brody. »Ziehen Sie den Ruf dieses Beamten nicht in Zweifel und fahren Sie fort, Mr. Jaffe!«
»Ja, Euer Ehren. Detective Vasquez, Sie haben ausgesagt, dass Sie sich mit dem Informanten, der die Mitteilung des anonymen Anrufers bestätigte, am Nachmittag des Tages getroffen haben, an dem Sie die Hütte durchsuchten?«
»Das ist korrekt.«
»Nachdem Sie die Bestätigung hatten, fuhren Sie sofort nach Milton County?«
»Ja. Ich hatte das Gefühl, sofort fahren zu müssen, um die Übergabe des Kokains nicht zu verpassen.«
»Ich nehme an, der Informant, der Ihren anonymen Tipp bestätigte, war der einzige Zeuge, mit dem Sie sprachen, bevor Sie nach Milton County fuhren?«
»Das stimmt.«
»Wie lautet der Name der Person, die Ihre Information am Tag der Durchsuchung bestätigte?«
»Ich fürchte, den kann ich nicht nennen, Mr. Jaffe. Ich musste ihm Vertraulichkeit zusichern, damit er mit mir sprach.«
»Eurer Ehren, ich bitte das Gericht, den Zeugen zur Antwort aufzufordern. Ansonsten haben wir eine Situation, in der ein anonymer Informant einen anderen bestätigt.«
Brody wandte sich an Vasquez. »Warum wollen Sie den Namen dieses Mannes nicht preisgeben?«
»Weil er dann in große Gefahr käme, Euer Ehren. Er könnte sogar getötet werden.«
»Verstehe. Nun, das will ich nicht riskieren, Mr. Jaffe. Wenn Sie andeuten wollen, dass dieser Zeuge nicht existiert, werde ich mir ein Urteil über Detective Vasquez' Glaubwürdigkeit bilden müssen.«
»Und ich nehme an, Sie lassen die fraglichen Beweismittel nicht zu, wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass der Beamte lügt?«
»Natürlich«, entgegnete Brody mit finsterer Miene, »aber das haben Sie noch lange nicht bewiesen, Mr. Jaffe.«
Der Anflug eines Lächelns huschte über Franks Lippen, als er dem Gericht sagte, dass er keine weiteren Fragen mehr an den Zeugen habe.
Nach einer kurzen neuerlichen Befragung von Detective Vasquez rief Fred Scofield noch andere Polizeizeugen auf. Kurz vor Mittag erklärte Richter Brody die Verhandlung für unterbrochen und die Zuschauer eilten aus dem Saal. Frank und Scofield gingen zum Richtertisch und unterhielten sich kurz mit Brody, während Amanda ihre Unterlagen ordnete.
»Was meinen Sie, wie Ihr Vater sich geschlagen hat?«, fragte Cardoni.
»Ich glaube, er konnte einige Pluspunkte verbuchen«, antwortete Amanda, ohne den Arzt anzusehen.
Cardoni sagte nichts mehr. Amanda packte die letzten Papiere in ihren Aktenkoffer.
»Sie mögen mich nicht, oder?«
Die Frage überraschte Amanda. Sie zwang sich dazu, Cardoni anzusehen. Er lümmelte in seinem Stuhl und musterte sie.
»Ich kenne Sie nicht gut genug, um Sie zu mögen oder nicht zu mögen, Dr. Cardoni, aber ich arbeite sehr hart, um Ihnen zu helfen.“
»Das ist aber nett von Ihnen in Anbetracht des Honorars, das ich Ihrer Kanzlei zahle.«
»Das hat mit dem Honorar nichts zu tun, Doktor. Ich arbeite für alle unsere Mandanten sehr hart.«
»Wie hart können Sie arbeiten, wenn Sie glauben, dass ich diese Leute umgebracht habe?«
Amanda wurde rot.
»Mein Glaube an Ihre Schuld oder Unschuld hat keinen Einfluss auf meine beruflichen Leistungen«, erwiderte sie steif.
»Na ja, mir ist es aber nicht egal«, sagte Cardoni, und in diesem Augenblick tauchten die Wachen auf, die ihn in die Zelle zurückbringen sollten. Cardoni wandte sich von Amanda ab und streckte die Hände hinter den Rücken. Amanda war froh, dass diese Unterhaltung beendet war. Frank kehrte an den Tisch zurück, während die Wachen Cardoni Handschellen anlegten.
»Der Richter hat um ein Uhr dreißig noch mit anderen Fällen zu tun«, sagte er zu seinem Mandanten. »Wir dürften so gegen zwei wieder weitermachen. Fred hat seine Beweisaufnahme abgeschlossen, das heißt, nach dem Mittagessen sind wir an der Reihe, Zeugen aufzurufen. Wir sehen uns dann hier im Saal wieder.«
Die Wachen begleiteten Cardoni.
»Gehst du zu Stokely's?«, fragte Frank Amanda.
»Wohin denn sonst? Willst du mitkommen?«
»Tut mir Leid, aber ich kann nicht. Ich habe über Mittag noch eine Menge zu erledigen. Iss ein großes Stück Kuchen für mich mit!«
»Darauf kannst du dich verlassen«, sagte Amanda.
An der Tür des Gerichtssaals merkte sie, dass Cardoni auf dem Weg nach draußen sie beobachtete. Sein bohrender Blick machte sie nervös, aber sie zwang sich, ihm in die Augen zu sehen. Eine Weile hielt sie seinem Blick stand. Dann kam ihr ein Gedanke. Es erforderte nicht sehr viel Mut, einem Gefangen in die Augen zu sehen, der mit Handschellen gefesselt und von Wachen begleitet war. Aber hätte sie auch den Mut, ihn niederzustarren, wenn er frei wäre? Es schien zwar wahrscheinlich, dass Cardoni verurteilt wurde, aber Frank war sehr gut. Was, wenn er den Chirurgen frei bekam? Würde der sich dann an ihren unverfrorenen Blick erinnern?
Amanda wurde der Mund trocken und sie beschloss, Cardoni lieber nicht gegen sich aufzubringen; sie wollte nicht, dass er überhaupt an sie dachte. Sie drehte sich um und eilte aus dem Gerichtssaal.